

"Mit Beginn des neuen Kindergarten-jahres steht schon jetzt für jedes dritte unter 3jährige Kind ein Betreuungsplatz in einer speziellen Kindergartengruppe, einer Kinderkrippe oder bei einer Tagespflegeperson zur Verfügung. Wir bieten in unseren Städten und Gemeinden damit für rund 1200 Kinder in diesem Alter eine verlässliche Betreuung an“, so erläutert Landrat Eberhard Irlinger den rasanten Ausbau der Kindertages-betreuung für unter 3jährige im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Das Ausbauziel der Bundesregierung von 35% Versorgungsquote für das Jahr 2013 hat der Landkreis Erlangen-Höchstadt schon in diesem Jahr erreicht und liegt damit im bayerischen Vergleich vermutlich an der Spitze.
Noch vor 8 Jahren gab es im gesamten Landkreis gerade einmal 24 Krippenplätze. Seitdem ist eine enorme Ausbaudynamik im Landkreis in Gang gekommen. Eine Vielzahl an Gemeinden und Städten im Kreis hat nicht nur Kindergartenplätze in Betreuungsplätze für unter 3jährige umgewandelt, sondern hat zudem die Investitionskostenförderung des Freistaates für die Errichtung von Neubauten genutzt.
Bei der örtlichen Bedarfsplanung, dem Betriebserlaubnisverfahren und der räumlichen Gestaltung für die neuen Kinderkrippen und Kinderhäuser standen die Fachleute des Jugendamtes den Kommunen beratend zur Seite. Als sehr hilfreich für die Planungssicherheit erwies sich in diesem Zusammenhang auch die 2007 vom Jugendhilfeausschuss in Auftrag gegebene Bevölkerungsprognose, mit der eine regionale Bedarfsprognose für die Gemeinden erstellt werden konnte.
Als Alternative zur Betreuung des Kindes in einer Krippengruppe vermittelt das Jugendamt zudem überprüfte und geschulte Tagespflegepersonen. Nachdem der Landkreis für 2009 den Zuschlag für ein diesbezügliches ESF Förderprogramm erhalten hatte, konnten insbesondere die Angebote zur Qualifizierung der freiberuflichen Pflegepersonen deutlich ausgebaut werden.
Eine Platzgarantie für jedes Kind kann Irlinger aber trotz des hohen Angebotes noch nicht geben. Grund: „In den letzten 5-6 Jahren hat ein tiefgreifender Wandel der gesellschaftlichen Einstellungen zur Kindertagesbetreuung stattgefunden. Wurden berufstätige Mütter die ihre Kinder fremd betreuen ließen noch vor wenigen Jahren als „Rabenmütter“ beschimpft, so ist heute für den Großteil der Mütter von jungen Kindern klar, dass sie mit der Beendigung der Elterngeldzahlungen nach einem Jahr wieder arbeiten wollen. Jeder neu angebotene Betreuungsplatz wird sofort belegt und erhöht damit gleichzeitig die Nachfrage. Ich denke wir werden unser Platzangebot langfristig sogar auf 50-55% ausbauen müssen um eine echte Wahlfreiheit für alle berufstätige Eltern zu gewährleisten.“, so der Landkreischef.
Die hohen Summen, die in den Ausbau der Betreuungs-Infrastruktur geflossen sind, sieht Irlinger als sinnvolle Investition mit hoher Rendite an. „Bei unseren niedrigen Arbeitslosenzahlen kann man schon von Vollbeschäftigung sprechen. Das ist natürlich sehr erfreulich. Gleichzeitig bedeutet es aber, dass wir davon ausgehen müssen, dass die Betriebe in unserer Region zunehmend Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Uns muss es also in den nächsten Jahren gelingen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern und ein noch attraktiveres Wohn- und Lebensumfeld für Familien zu schaffen. Das ist auch aus wirtschaftlicher Sicht in unserem Interesse. "
Weil Familienfreundlichkeit mittlerweile zu einem echten Standortfaktor geworden ist, will der ehemalige Kinderbeauftragte des bayerischen Landtages seinen Landkreis mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen noch weiter nach vorne bringen. Neben dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, hat Irlinger seinem Landkreis unter anderem bereits ein Förderprogramm zur Ferienbetreuung von Schulkindern, eine Familienfreundlichkeitsprüfung, Babybegrüßungsbesuche durch Familienhebammen und ein alljährlich stattfindendes Familienfest verordnet. Jährlich messen sich zudem die Kommunen im Kreis bei dem Wettbewerb „kinder-, jugend- und familienfreundliche Gemeinde“, der heuer bereits zum sechsten Mal stattfand.
Eine ganze Reihe der neuen Ideen sind in der „Ideenschmiede“ des landkreisweiten Bündnis für Familie entstanden. Irlinger ist es inzwischen gelungen, 90 Organisationen an sein Bündnis zu binden, darunter auch namenhafte Firmen wie Adidas oder Schwan Stabilo. Gemeinsame Identifikations-Grundlage der Bündnispartner sind dabei die „familienpolitischen Leitgedanken“ die von allen teilnehmenden Gemeinden, Verbänden, Firmen und Mandatsträgern unterzeichnet wurden.
Dem für 2013 angekündigten, individuellen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes unter 3jährige Kind nach Vollendung des ersten Lebensjahres, sieht Irlinger gelassen entgegen: „Ein bedarfsgerechtes und qualitativ hochwertiges Kinderbetreuungsangebot gehört als wesentlicher Baustein einer familienfreundlichen Kommune in allen unseren Städten und Gemeinden einfach zum guten Ton. Wer in den Landkreis Erlangen-Höchstadt zieht, den erwarten nicht nur attraktive Stellenangebote der Arbeitgeber, sondern der findet auch eine hochwertige Infrastruktur für seine Familie vor.“