

Jedes neugeborene Kind wird im Namen der Gemeinde und des Landkreises mit einem Anschreiben vom Landrat oder Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde begrüßt. Dabei wird angeboten, dass eine speziell ausgebildete Familienhebamme/ Kinderkrankenschwester jede Familie in der ein Kind geboren wurde, sowie Familien mit Kleinkind, die neu hinzugezogen sind, besucht! Die Fachkraft überreicht die Baby Willkommens Tasche mit vielen Informationen rund um das Baby und möglichen Angeboten für Mütter und Väter und bietet den Eltern an, weiterhin für Fragen zur Verfügung zu stehen.
Die Erstbesucherinnen/ Familienhebammen verstehen sich als
Grundsätzliches Ziel von „Baby willkommen" ist es, Eltern so früh wie möglich in ihrer Erziehungs- und Beziehungskompetenz zu stärken, um hierdurch Krisen vorzubeugen, bzw. die Eltern zu unterstützen, diesen angemessen zu begegnen - Frühzeitige Prävention statt Reaktion.
Die Kontaktaufnahme erfolgt 4 - 6 Wochen nach Geburt des Kindes durch einen Brief des Bürgermeisters bzw. Landrates, in dem zum Nachwuchs gratuliert wird und ein Besuch der Familienhebamme angeboten wird. Wenn die Eltern einen Besuch wünschen, kann dieser mit einer beiliegenden frankierten Antwortkarte aktiviert werden. Eine Familienhebamme wird daraufhin vor ihrem Besuch, der frühestens ab der 6. Woche erfolgt, bei der Familie anrufen, um einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren. Familien, die neu in die Gemeinde zuziehen, werden ebenfalls besucht, wenn sie ein Kind im Alter bis zu 3 Monaten haben. Anhand des Begrüßungspaketes werden Unterstützungsmöglichkeiten, Freizeitangebote und Kontaktmöglichkeiten im Landkreis und speziell in der jeweiligen Gemeinde erläutert. Das Arbeitsprinzip der Familienhebamme ist Offenheit und Kooperation im Bewusstsein der Freiwilligkeit des Gespräches /Hausbesuches. Es wird der zeitliche Rahmen festgelegt, damit Eltern /Mütter wissen, worauf sie sich einlassen. Eine Hebamme bzw. Familienhebamme steht jeder jungen Mutter kostenlos und ohne besonderes Antragsverfahren zu.
Die Familienhebamme bringt als Begrüßungsgeschenk eine Wickeltasche mit, die mit verschiedenen praktischen Dingen gefüllt ist.
Die Familienhebamme bzw. Kinderkrankenschwester steht bei Bedarf auch für einen Zweibesuch zur Verfügung. Sie vermittelt die Eltern auf Wunsch an weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote. Nach einer Schweigepflichtsentbindung können die Eltern die Familienhebamme auch mit der Einleitung weitergehender Hilfen, wie z.B. der Beratung durch das Jugendamt oder die koordinierende Kinderschutzsstelle beauftragen.
Der Abschlussbericht des Deutschen Jugendinstitutes zur Kurzevaluation von Programmen zu Frühen Hilfen[3] betont, dass der Hausbesuch ein anerkanntes und unumgängliches Mittel der frühen Einschätzung von Gefahren darstellt. Der Landkreis Erlangen-Höchstadt zeichnet sich in vielen Statistiken als ein erfolgreicher und engagierter Landkreis aus, dem die Anliegen seiner Familien wichtig sind. Bereits in früheren Jahren wurde u.a. durch das Bündnis für Familie im Landkreis ERH der Ausbau familienorientierter Angebote gefördert. Viele Partner bekannten sich zu den Zielen familienorientierter Leitgedanken, die Anregungen der Familienfreundlichkeitsprüfung gaben den Gemeinden konkrete Anregungen, wie sie Wohngebiete familiengerecht planen, bzw. auszubauen können.
Hausbesuche aus dem Gesundheitsbereich können viele Familien erreichen, die von sich aus keine Hilfe gesucht hätten, sie aber dringend brauchen, insbesondere Mütter mit kleinen Kindern und Säuglingen, die in ihrer Mobilität erheblich eingeschränkt sind. Mütter werden zudem bei den meisten Erst-Hausbesuchsdiensten dadurch motiviert, dass das Angebot sich auch auf das neugeborene Kind im Hinblick auf medizinisch-pflegerische Aspekte bezieht, und dass es durch individuelle Hilfsangebote die Entwicklungschancen des Kindes unterstützt.
In der Stadt bzw. Gemeinde soll die Fachkraft ein engmaschiges ortsbezogenes/ regionbezogenes Netzwerk aufbauen, das
Erst-Hausbesuche sind aber keine Einzelmaßnahme, vielmehr sind sie als „Frühe Hilfe" als Teil des ganzen Hilfesystems zu sehen. „Frühe Hilfen" bieten Orientierung und Sicherheit für Eltern und Kind. Hausbesuche sind auch eine wichtige Ergänzung zu den Angeboten des Kinderarztes.
„Baby willkommen" sieht sich als ein Element des sozialen Netzwerkes im Landkreis, in dem durch seine besondere Struktur auch spezifische Vermittlungs- und Kooperationschancen und -pflichten liegen. Entstanden als Projekt des Arbeitskreises „Familien und Krise" des Bündnis für Familie können Mitarbeiterinnen bei allen Partnern des sozialen Netzes, die dort vertreten sind (Gesundheitsamt, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Caritas, Erziehungsberatung, Diakonisches Werk, Evang. Stadtakademie, Zentrum für Alleinerziehende e.V., Familienhebammen/ Kinderkrankenschwester, Bayerischer Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen und Tagespflege für Kinder e.V. und viele mehr) grundsätzlich mit breit gefächerter Unterstützung rechnen. Der Arbeitskreis wird das Projekt begleiten, Anregungen der Familienhebammen aufgreifen und bearbeiten und auf der Basis der Ergebnisse der Evaluation das Konzept weiterentwickeln. Der Arbeitskreis wird mit gezielten anderen Maßnahmen zu frühen Hilfen die Arbeit der Familienhebammen stützen (Fortbildungen für Multiplikatoren, Fachvorträge für Eltern, Mithilfe beim Ausbau geeigneter Angebote vor Ort, etc.)
Aufgrund des fachlichen Ansatzes der Frühprävention kann die Maßnahme nur von speziell ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden. Es werden daher nur Hebammen mit der Zusatzausbildung „Familienhebamme", sowie speziell qualifizierte Kinderkrankenschwestern eingesetzt.
Kostenträger ist der Landkreis.
Wenn Sie Interesse an einem ausführlichen Konzept zu "Baby willkommen! 2 haben, wenden Sie sich bitte an die Konzeptverantwortlichen bzw. Ansprechpartner:
Staatliches Gesundheitsamt im Landratsamt Erlangen-Höchstadt
Luitgard Kern, Schubertstr. 14, 91052 Erlangen
luitgard.kern@erlangen-hoechstadt.de
Amt für Kinder, Jugend und Familie
Markus Hladik, Familienbeauftragter, Karl-Zucker-Str. 10, 91052 Erlangen
Arbeitskreis Familie und Krise im Bündnis für Familie Erlangen-Höchstadt
Literatur:
Abschlussbericht: Kurzevaluation von Programmen zu Frühen Hilfen für Eltern und Kinder und sozialen Frühwarnsystemen in den Bundesländern, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2007
„Willkommen Augsburger Kinder", Augsburger Netzwerk für Familien, Pilotprojekt Lechhausen
Dormagener Qualitätskatalog der Jugendhilfe - Ein Modell kooperativer Qualitätsentwicklung - Herausgeber: Stadt Dormagen (Amt für Kinder, Familien und Senioren - in Kooperation mit den Kreisdekanaten der AWO, Diakonie und Caritas), www.dormagen.de
Kindeswohlgefährdung aus ärztlicher Sicht, Dr. med.Jochen Gehrmann (Abt. f.Kinder-und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie/ Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, St.Marien und St. Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen) mit Anregungen und Impulsen von Dr. Ute Ziegenhain von der Uni Ulm, Jugendhilfe 45 4/2007 , S. 197-207
[1] Stadt Dormagen, Angebot „Willkommen im Leben", durchgeführt seit 10.2006
[2] Stadt Augsburg, Projekt „Herzlich willkommen Augsburger Kinder", durchgeführt seit 4.2008
[3] „Kurzevaluation von Programmen zu Frühen Hilfen für Eltern und Kinder und sozialen Frühwarnsystemen in den Bundesländern". Deutsches Jugendinstitut, 2006